Dr. Thomas Szekeres

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Gesundheitsversorgung der kleinen Schritte

Lokale Modelle bringen Lösungen

In Niederösterreich gibt es die Landesärztegarantie. Wird ein offener Kassenvertrag am Lande über ein Jahr nicht besetzt, springt das Land Niederösterreich ein. Allgemeinmediziner aus den Krankenhäusern übernehmen – zumindest für ein Jahr – die Praxis. In Gresten im Mostviertel wurde die erste Praxis besetzt.

 

Für das Waldviertel wird noch verhandelt. Mittelfristig will man diese Praxen zu Gemeinschaftsordinationen ausbauen. Der nächste Schritt heißt Prämie: Bis zu 50.000 Euro Startprämie pro Praxis für Investitionen und Verbesserungen der IT-Infrastruktur.

In Kärnten wird die Regierung gemeinsam mit der Ärztekammer ein Sonderbudget für Allgemeinmediziner verabschieden – bis zu 7 Millionen Euro. In Kärnten ist die Landarztnot besonders groß und die Topographie besonders ungünstig.

Prämien und Gemeinschaftspraxen gibt es auch in der Steiermark und in Salzburg werden neue, interaktive Vernetzungsprogramme getestet.
Man sieht: Es geht, wenn alle Beteiligten, Sozialversicherung, Landesregierung, Gemeinde und Ärztekammer sich zusammenreden und Lösungen erarbeiten.

In Burgenland hat der neue Finanzlandesrat und wahrscheinliche Niessl-Nachfolger, Peter Doskozil, vor, zwei Spitäler zu schließen und umzuwandeln: In Gemeinschaftspraxen beziehungsweise Mini-Ambulanzen. Die restlich verfügbaren Betten sollen in Pflegebetten umfunktioniert werden. Danach herrscht dringlicher Bedarf. Im Burgenland ist die Lage besonders prekär, da sich in unmittelbarer Nähe zur Steiermark oft zwei „Doppelkrankenhäuser“ matchen, die beide nicht ausgelastet sind. Der erste Schritt zu einer Bundesländer übergreifende Lösung?

Dass Gesundheitsversorgung – vor allem was die Grundversorgung betrifft – nur lokal und jeweils situationsbezogen erfolgen kann, ist logisch.

Notwendig wäre daher eine bundesweite Regelung. Einheitliche Leistungen, einheitliche Honorare (bei deutlicher Erhöhung für die Allgemeinmediziner), die jeweils nach geographischer und soziographischer Gegebenheit aufgestockt werden können. Zum Beispiel ein Bonus für unversorgte Landgebiete, mit großer Überalterung und dünner Besiedelung, die zwangsläufig zu langen Wegen führen. Oder Sonderboni für Gruppenpraxen, die bei längerer Öffnungszeiten auch höhere administrativen Aufwand haben, der abgedeckt werden muss.

Für die Patienten sind alle Lösungen gut, die wohnortnahe und persönliche Betreuung garantieren. Wie man sieht, kann man mit Phantasie und guten Willen einiges bewegen.

Das sollte uns – gerade zu Ostern – trotz aller berechtigter Kritik, die wir Ärzte äußern müssen, ein kleiner Hoffnungsschimmer sein.


ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident der Ärztekammer für Wien
Präsident der Österreichischen Ärztekammer

Die weibliche Form ist der männlichen Form in diesem Blog gleichgestellt; lediglich aus Gründen der Leseverständlichkeit wurde die männliche Form gewählt.

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